Die sogenannte Saisonvorschau

Wirklich euphorisch waren wohl die wenigsten, als Ante Čović als Nachfolger von Pál Dárdai präsentiert wurde. Im Umfeld geisterten Namen wie David Wagner oder Erik ten Hag und man hatte das Gefühl, als wolle Michael Preetz nach 4 1/2 Jahren Dárdai frischen Wind ins Trainerteam bringen. Da sorgte die Bekanntgabe von Ante Čović nicht gerade für Aufbruchsstimmung und die Befürchtung, dass uns im Kader ein großer Umbruch ansteht, ging um. Umso höher ist es Čović anzurechnen, dass er innerhalb kürzester Zeit eine positive Stimmung erzeugte und erheblich dazu beitrug, dass der Kader bis auf den Lazaro Verkauf zusammen blieb.

Čović überrascht

Nun hatte Čović gut fünf Wochen Zeit Zeit, um dem neuen Hertha-Jahrgang seine Ideen beizubringen. Während es zu Beginn noch Bedenken gab, dass die Unterschiede zu Pál Dárdai eher gering sein könnten, lässt sich schon jetzt festhalten, dass Ante Čović wohl nicht an zu wenig Innovationen scheitern dürfte. Das bewährte, aber auch immer öfter entschlüsselte, 4-2-3-1 gehört der Vergangenheit an. Fortan soll die Mannschaft während des Spiels in der Lage sein, die Systeme fließend zu wechseln. Vom 4-3-3 zum 3-5-2 und 4-4-2. Eine Prägung, die seit Nagelsmann, Tuchel und vor allem Pep Guardiola, den Čović intensiv studiert hat, keine Seltenheit in der Bundesliga ist. Alleine: Die genannten Trainer, vor allem Tuchel und Guardiola hatten für ihre Ideen stets absolute Topspieler zur Verfügung, welche fußballerisch und taktisch auf internationalem Niveau unterwegs waren. Hier stellt sich die Frage, ob dem Hertha-Kader in relativ kurzer Zeit ein solcher taktischer Umbruch beizubringen ist. In den Testspielen, speziell gegen Westham und Crystal Palace war zu sehen, dass sich teils begeisternder Offensiv-Fußball abwechselte, mit Phasen, in denen Hertha keinen Zugriff zum Spiel und Gegner fand, teils überfordert wirkte. Čovićs Plan, das Spiel mehr in die Hand zu nehmen und den Gegner dominieren zu wollen, ist klar zu erkennen: Das Pressing ist aggressiver, Spieler wie Plattenhardt starten in Zwischenräume, die vorher eher Kalou bearbeitete, und es wird nach Ballgewinn deutlich häufiger der direkte Weg nach vorne gesucht. Es steht zu vermuten, dass wir deutlich mehr Chancen kreieren, als in den letzten Jahren, wo Hertha die Torschussstatistik meistens von unten anführte. Das beinhaltet wiederum auch das Risiko, dass man zu Saisonbeginn ab und an, auch mal deutlich, seine Grenzen aufgezeigt bekommt. Es ist nicht auszuschließen, dass der ein oder andere schnell auf die Idee kommen könnte, nach dem stabileren Dárdai-Fußball zu rufen, wenn man in München oder gegen Wolfsburg hoch verliert. Doch für den relativ radikalen spielerischen Umbruch, den Čović wagt, benötigt er Zeit und Vertrauen. Gut möglich, dass Hertha zum ersten mal seit Ewigkeiten eine bessere Rück-, als Hinrunde spielt.

Auch Dárdai brauchte Zeit

Dárdai übernahm eine verunsicherte Mannschaft, die vor seiner Übernahme vier Tore in Frankfurt kassierte, 0:5 gegen Hoffenheim verlor und nach der Winterpause und Luhukays Gnadenfrist chancenlos gegen Bremen und Leverkusen blieb. Während Čovićs Auftrag nun also lautet, mit einer stabilen und entwicklungsfähigen Mannschaft den nächsten Schritt zu gehen, waren die Ansprüche an Dárdai deutlich geringer: Es sollte irgendwie der dritte Abstieg in fünf Jahren vermieden werden. Das, wenn auch denkbar knapp, gelang Dárdai. Nicht vergessen werden sollte dabei allerdings auch, dass er nicht frei von Fehlentscheidungen war. Nach einem gelungenen Auftakt in Mainz wollte Dárdai wieder dahin kommen, die Zuschauer im eigenen Olympiastadion zu begeistern. So stellte er Ronny neben Skjelbred auf die 6 (ein Flop mit Ansage), ließ den damals zuverlässigsten Innenverteidiger Langkamp auf der Bank und brachte für ihn Hegeler. Letzteres wiederholte er in Wolfsburg, ehe er beim Heimspiel gegen Augsburg aus seinen Fehlern lernte und durch das erlösende 1:0 von Kalou in der Schlussphase schon fast gerettet wurde. Auch wenn Čović eine andere Hertha übernimmt, als Dárdai 2015, sollte man ihm ebenfalls die Möglichkeit geben Fehler zu machen und aus ihnen zu lernen.

Der Blick geht nach oben

Klar ist dabei aber auch, dass er sich nicht allzuviele solcher Fehler erlauben sollte. Nach zwei Saisons im Mittelmaß geht der Blick bei Hertha nach oben. Für ein weiteres Jahr im Mittelfeld hätte man vermutlich nicht den Trainer wechseln müssen, auch wenn es natürlich keine Garantie dafür gibt, dass wir unter Dárdai für alle Zeiten frei von Abstiegssorgen geblieben wären. Auch die Transfers deuten daraufhin, dass man bei Hertha besser heute als morgen den Angriff auf die europäischen Plätze starten will. Für Boyata (kam ablösefrei), Löwen (7 Mio.), Redan (mindestens 2,5 Mio.) und vor allem Lukebakio (21 Mio.) gab man allein an Ablösesummen knapp 30 Millionen € für neue Spieler aus und, so ist zu hören, ein weiterer Hochkaräter soll folgen. Nicht eingerechnet ist hierbei die Leihgebühr für Marko Grujic (2 Mio. €).

Zum Vergleich: in den acht Transferfenstern unter Dárdai gab man knapp 40 Mio. € aus, also etwa 5 Mio. € pro Transferfenster und nahm insgesamt ca. 45 Mio. € an Ablösesummen ein. Fast schon ironisch mutet es hierbei an, dass Dárdai immer wieder erwähnte, dass er gerne seinen Posten räumt, wenn ein Milliardär kommt und Hertha BSC viel Geld zur Verfügung stellt. Alternativ nähme er auch gerne 120 Millionen. Dass es tatsächlich so ähnlich kommen würde, hätte er wohl nicht gedacht – auch wenn „unser“ Investor nicht im Verdacht steht, die Triple-A-Lösung darzustellen und Windhorst sein großes Ziel, die erste Milliarde, noch nicht erreicht hat. Ein wenig schade ist es aber schon, dass Dárdai nicht die Chance bekommt, den Kader, ohne die großen finanziellen Zwänge der letzten Jahre, nach seinen Vorlieben umzugestalten.

Das Team um Čović

Interessant ist auch ein Blick auf das in Punkten erneuerte Team um Cheftrainer Ante Čović. Während eine Bewertung von Mirko Dickhaut schwer fällt, ist der zweite Co-Trainer, Harald Gämperle, in Berlin kein Unbekannter. Von 2007-2009 arbeitete er unter Lucien Favre in Berlin. Als der Trainer vor dem Ende stand, stellte er sich demonstrativ vor ihn und sprach der Mannschaft jeglichen Charakter ab. Favres Zeit bei Hertha endete noch am gleichen Tag und Favre sprach seither nie wieder ein Wort mit Gämperle, der sein Schicksal heute nicht mehr an das seines Chefs knüpfen würde. Dies führt zu einer interessanten Konstellation: Abgesehen von der Tatsache, dass Gämperle ein absoluter Fachmann auf seinem Gebiet ist, neben Favre auch unter Urs Fischer, Adi Hütter und Gerardo Seoane arbeitete, ist er, entgegen seiner damaligen Zeit in Berlin, nun im Besitz der UEFA-Pro-Lizenz. Im Fall der Fälle könnte also Gämperle auch die Position des Cheftrainers übernehmen. Wie sein Vorgänger Widmayer könnte er sich grundsätzlich auch vorstellen, eines Tages ins erste Glied zu rücken.

Keine Veränderung gibt es hingegen auf der Position des Torwarttrainers. Zsolt Petry leistet hier erkennbar gute Arbeit. Sowohl Rune Jarstein als auch Thomas Kraft machten unter ihm deutliche Fortschritte. Sein mittelfristiges Ziel dürfte es sein, die jungen Torhüter um Nils Körber (bis 2020 an Osnabrück verliehen), Dennis Smarsch und Luis Klatte in eine Position zu bringen, in der sie Hertha auf Bundesliga-Niveau weiterhelfen können.

Ebenso unverändert, aber nicht ganz so unumstritten, bleibt die Position der Athletiktrainer. Henrik Kuchno und Hendrik Vieth, beide seit 2015 bei den Profis tätig, sind auch in der neuen Saison für die Fitness der Spieler zuständig. Es wird interessant zu sehen sein, ob die schwachen Laufwerte der letzten Saison ausschließlich mit dem Dárdai-System zusammenhingen, oder ob hier auch andere Faktoren mit reinspielen. Klar sollte sein: Platz 14 in der Laufdistanz, Platz 16 bei den Sprints und Platz 17 bei den intensiven Läufen kann nicht der Anspruch Herthas sein.

Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass Nello di Martino in sein 49. Jahr bei Hertha geht. Ob er nochmal eine Zweitkarriere in Herthas Boxabteilung beginnt, ist indes nicht überliefert.

Störfeuer von Außen

Für einen Fußballverein ist Ruhe im Umfeld ein nicht zu unterschätzender Faktor. So sprach Ex-Trainer Pál Dárdai gerne von einem Dreieck aus Mannschaft, Fans und Medien. Im letzten Jahr geriet nicht nur dieses Dreieck ins Wanken. Die Unruhe in Teilen der Fanszene übertrug sich auf den Verein. Preetz wollte ein Zeichen für den Zusammenhalt und Paul Keuter setzen, blitzte dabei aber bei Trainer und Mannschaft ab, worüber ich ausführlich schrieb. Ob der zeitliche Zusammenhang zur sportlichen Talfahrt Zufall war oder nicht, lässt sich nicht belegen. Hilfreich war es aber sicherlich auch nicht.

Umso wichtiger, dass sich solche Dinge in der kommenden Saison nicht wiederholen. Sportlich kann die Mannschaft mit gutem und erfolgreichem Fußball dafür sorgen, dass keine Unruhe auf der Trainerposition einkehrt. Bei sportlichem Misserfolg würde es wohl nicht lange dauern, bis die ersten Fans nach Pál Dárdai rufen.

Neverending Stadionstory

Doch abgesehen vom sportlichen Erfolg gibt es zwei weitere Themen mit Sollbruchstellen. Zum einen sei hier das ewige Stadionthema genannt. Innensenator Geisel erteilte Herthas Plänen auf dem Olympiagelände erneut eine Absage. Wie realistisch der Standort Tegel einzuschätzen ist, ist schwer zu beantworten. Klar ist aber: Bis 2025 wird da nichts fertig. Und so wird es wohl wieder zu der Diskussion kommen, ob Brandenburg nicht doch als Standort in Frage käme. Präsident Gegenbauer erteilte solchen Plänen zwar nach den deutlichen Protesten und dem Mitgliedervotum eine Absage, doch da bei eben diesem das notwendige Quorum für eine Satzungsänderung verfehlt wurde, gibt es theoretisch nach wie vor eine Hintertür für Brandenburg. Sollte der Verein diese Option verfolgen, würde das wohl mit massiven Protesten begleitet werden, welche ihren Höhepunkt bei den Präsidiumswahlen im nächsten Jahr finden könnten. Das ist umso bitterer, denn seit Hertha mit den Stadionplänen an die Öffentlichkeit ging (März 2017) wird eigentlich nur über den Standort diskutiert. Die Fragen, ob Hertha ein neues Stadion benötigt, inwiefern es davon profitieren kann, wie geil eine Ostkurve in einem reinen Fußballstadion wäre, rücken dadurch leider völlig in den Hintergrund.

Was macht Windhorst?

Darüber hinaus bleibt abzuwarten, ob wir in Zukunft von Lars Windhorst regelmäßig daran erinnert werden, dass Hertha BSC doch bitte möglichst schnell zum Big City Club aufsteigen möchte und er uns mitteilt, welche Low Hanging Fruits er identifiziert hat. Während KKR ausschließlich daran interessiert war, mit Hertha Gewinn zu erzielen (was gelang) scheint es Windhorst auch, aber nicht nur um finanzielle Gewinne zu gehen. Die Art, wie er zu Beginn des Investments auftrat sowie die Spekulationen um einen Börsengang, welche kürzlich zu vernehmen waren, lassen vermuten, dass sich Windhorst nicht mit der Rolle des stillen Beobachters zufrieden geben wird. Auch das birgt Konfliktpotential.

Das Problem mit der Erwartungshaltung

Was kann und muss man nun also von Čović erwarten? Man will besser abschneiden, als im letzten Jahr, ließ Michael Preetz verlauten. Das ist genauso logisch, wie es mutlos ist. Zwar ist zu erwarten, dass intern anders kommuniziert wird und der eine oder andere Spieler, wie schon im letzten Jahr, bereits jetzt das Wort Europa League in den Mund nimmt, doch kann man sicherlich überlegen, ob man mit den teils übervorsichtigen öffentlichen Zielsetzungen der letzten Jahre nicht das Gegenteil von dem erreicht hat, was man eigentlich wollte. In Bremen und Frankfurt, zwei Vereine mit ähnlichen Voraussetzungen, gab man mutige Ziele aus. Man wollte nach Europa, die Eintracht zusätzlich die schwere Europa League Gruppe gewinnen. Während Bremen knapp scheiterte, aber in Liga und Pokal zeitweise für Furore sorgte, gelang Frankfurt eine teils beeindruckende Saison, wenn auch mit nicht optimalem Ende. Hertha landete 10 Punkte hinter Bremen und 11 Punkte hinter Frankfurt. Auch wenn man Čović, wie schon erwähnt, Fehler zugestehen muss: Das sollte sich nicht wiederholen.

Torwartfrage: Die Ruhe vor dem Sturm

Bleibt die Frage, wie denn nun der Hertha-Kader 2019/20 zu bewerten ist

Im Tor boten sowohl Rune Jarstein als auch Thomas Kraft in den Testspielen überwiegend gute Leistungen. Jarstein hat sich in den letzten Jahren zur unumstrittenen Nummer 1 entwickelt. Seine Vorzüge gegenüber Thomas Kraft, der mit seinen starken Reflexen vor allem auf der Linie punkten kann, sind seine Strafraumbeherrschung, seine fußballerischen Qualitäten und die generelle Ruhe, die er ausstrahlt. Es gibt aktuell keinen Grund, an ihm als Nummer 1 zu zweifeln, auch wenn Thomas Kraft die Rolle als Herausforderer sehr gut angenommen hat und fast immer, wenn er gebraucht wurde, mit guten Leistungen zur Stelle war. Fraglich ist nur, ob Kraft, der voraussichtlich in sein letztes Jahr bei Hertha geht, im DFB Pokal in die Mannschaft rotiert. Ab 2020 wird wohl Nils Körber, der sich nun in der zweiten Liga beweisen kann, seine Position einnehmen. Abhängig vom Verlauf dieses Zweikampfs (ein dritter Wettbewerb würde in Sachen Spielpraxis helfen) wird sich dann auch die Frage stellen, ob Jarstein, dann 36, über 2021 hinaus Herthaner bleibt. Abzuwarten bleibt auch, ob Dennis Smarsch in der Lage ist, aus diesem Zweikampf einen Dreikampf zu machen. Körperlich bringt er alle Voraussetzungen mit. Er wird sich dieses Jahr voraussichtlich mit Luis Klatte Spielzeit in der U23 teilen. Nicht unwahrscheinlich, dass auch bei diesen beiden Torhütern der Weg über Leihgeschäfte gehen wird.

Nicht mehr bei Hertha unter Vertrag sind die beiden Keeper Marius Gersbeck und Jonathan Klinsmann. Der sympathische US-Amerikaner ging ablösefrei zum schweizer Erstligisten St. Gallen, kam aber da bisher nicht an der Nummer 1 Dejan Stojanovic vorbei. Ähnliches gilt für Marius Gersbeck, dessen unvergessener Auftritt beim 2:1 Sieg in Dortmund mittlerweile fast sechs Jahre her ist. Gersbecks Weg schien eigentlich unausweichlich darauf hinauszulaufen, irgendwann die Nummer 1 im Hertha-Tor zu sein. Er kämpfte sich nach mehreren schweren Knieverletzungen immer wieder zurück, aber der Weg ins Hertha Tor war irgendwann unerreichbar. Schön für ihn, dass er nach Hertha wohl den passendsten Verein für sich gefunden hat und beim KSC einen Zweijahresvertrag unterschrieb. Hertha sicherte sich zudem eine Rückkaufoption. Eine schöne Geste. Doch nicht nur, weil er aktuell an Benjamin Uphoff nicht vorbei kommt, scheint eine Rückkehr sehr unwahrscheinlich.

Innenverteidigung: Vierkampf auf Augenhöhe

In der Innenverteidigung muss man zunächst einen Spieler ansprechen, auf den Hertha zum ersten mal seit zwölf Jahren nicht mehr setzen kann: Fabian Lustenberger. Der Schweizer, eigentlich seit Jahren als Back-Up eingeplant, brachte es im Vorjahr auf 29 Saisonspiele, 24 mal stand er in der Startelf und profitierte neben seiner Vielseitigkeit sicher auch davon, dass gerade in der Innenverteidigung eigentlich immer mindestens ein Spieler verletzt war. Man sagt über Spielertypen wie ihn, dass man erst merkt, wie wertvoll sie sind, wenn sie nicht mehr da sind. Rein sportlich hat man sich mit der Verpflichtung von Dedryck Boyata auf der Position des Innenverteidigers sicher nicht verschlechtert. Boyata, der auf einem guten Weg war und dem Beobachter durchaus einen Platz in der Startelf zutrauten, wirft derzeit eine Verletzung zurück. Auch wenn er sich vorerst hintenanstellen muss, hat man mit ihm, Niklas Stark, Karim Rekik und Jordan Torunarigha vier Innenverteidiger, welche berechtigte Ansprüche auf die erste Elf stellen – wobei Niklas Stark als neuer Vize-Kapitän und Führungsspieler bis auf weiteres gesetzt sein sollte. Neben ihm dürfte vorerst Karim Rekik beginnen. Der Linksfuß konnte nicht ganz an seine starke Premierensaison anknüpfen, verpasste auch weite Teile der vergangenen Hinrunde aufgrund von Verletzungen. Sein Konkurrent ist der hochveranlagte (und manchmal etwas ungeduldige) Jordan Torunarigha. Der gerade 22 Jahre alt gewordene Innenverteidiger ist nicht dafür bekannt, sich mit der Bank zufrieden zu geben. Seinen Sommerurlaub nutzte er größtenteils zum Training. Es wäre ihm zu wünschen, dass er den Sprung in die Stammelf packt. Das Potential dazu hat er und gerade die Systemwechsel während des Spiels, von 3er- auf 5er-Kette, könnten Torunarigha liegen, der ohne Probleme auch die linke Defensivbahn bearbeiten kann. Florian Baak hingegen, der nicht mit ins zweite Trainingslager fuhr, wird wohl nur seine Chance erhalten, wenn die Verletzungsprobleme in der Innenverteidigung wieder Ausmaße annehmen, wie in Teilen der vergangenen Saison. Unter normalen Umständen bleibt die Position des Innenverteidigers eine, um die wir uns keine Sorgen machen müssen.

Kann Klünter Lazaro ersetzen?

Etwas anders sieht es auf der Position des Rechtsverteidigers aus. In Abwesenheit von Peter Pekarik, der seit mehreren Wochen mit muskulären Problemen zu kämpfen hat, spielte sich Lukas Klünter in den Vordergrund. Er dürfte vorerst gesetzt sein, doch die (spielerischen) Fußstapfen, die er ausfüllen muss, sind groß. Vor Klünter hießen die Rechtsverteidiger bei Hertha Valentino Lazaro und Mitchell Weiser. Klünter hat sicher andere Stärken, als die beiden genannten Spieler, welche Pál Dárdai oftmals als „halbe Spielmacher“ bezeichnete. Zugute kommen dürfte Lukas Klünter, dass die Aufgaben des Rechtsverteidigers im Čović-System andere sind, als in Dárdais 4-2-3-1. Dennoch besteht die Möglichkeit, dass Hertha auf dieser Position noch auf dem Transfermarkt aktiv wird. Nicht zuletzt, weil der als Backup eingeplante Mathew Leckie auf dieser Position in der Vorbereitung nicht wirklich überzeugen konnte und Peter Pekarik mit bald 33 Jahren und seinem 2020 auslaufenden Vertrag nicht mehr die Zukunftslösung darstellt. Spätestens im nächsten Sommer müsste man hier eh aktiv werden.

Zweikampf auf der Linksverteidiger-Position

Auf der Position des Linksverteidigers ist man mit Marvin Plattenhardt und Maximilian Mittelstädt gut aufgestellt. Mittelstädt, der bei der U21 EM nur zu einem Einsatz kam, zeigte sich in guter Frühform und glänzte vor allem durch starke Offensivaktionen. Gut möglich, dass er auch auf Linksaußen Einsatzzeiten bekommen wird. Das liegt nicht zuletzt auch an Marvin Plattenhardt. Nach einer ernüchternden Saison, in der er spielerisch selten zu seiner Linie fand und teilweise auch mental abwesend wirkte (Höhepunkt war seine Nichtleistung im Heimspiel gegen Wolfsburg), zeigt er sich in der Vorbereitung sehr fokussiert und mit nicht geahnter Offensivlust. Ihm ist bewusst, dass er nach dem wohl endgültigen Ende seiner Nationalmannschaftskarriere und dem Verlust seiner Stammplatzgarantie in diesem Jahr liefern muss. Gute Voraussetzungen für ein spannendes Duell und in Summe sicher eine Position, auf der Hertha gut aufgestellt ist.

Große Auswahl im zentralen Mittelfeld

Apropos gut aufgestellt: (Nicht nur) auf dem Papier ist Herthas zentrales Mittelfeld sicherlich das Prunkstück des Teams. Durch die etwas überraschende Verlängerung der Leihe von Marko Grujic stehen mit ihm, dem bisherigen Stammspieler Arne Maier und dem Neuzugang Eduard Löwen drei Spieler zur Verfügung, welche eigentlich alle zuviel Klasse und Talent für die Bank besitzen. Dazu kommt einer der Gewinner der Vorbereitung: Der eigentlich schon abgeschriebene Vladimir Darida. Der Tscheche, der nie wieder an seine grandiose Premierensaison 2015/16 anschließen konnte (35 Pflichtspiele, 12 Scorerpunkte), galt eigentlich als Verkaufskandidat. Doch der einstige Mittelfeldmotor blieb endlich mal wieder verletzungsfrei und nahm den Konkurrenzkampf an. Als Ergebnis winkt zu Saisonbeginn ein Platz in der Startelf. Das liegt auch daran, dass Arne Maier, der ebenso wie Eduard Löwen durch eine persönlich enttäuschende U21-EM den Beginn der Vorbereitung verpasste, aufgrund von diverser kleinerer Verletzungsprobleme kaum regelmäßig am Mannschaftstraining teilnehmen konnte und bisher kein Testspiel mitgemacht hat. Dieses Pech blieb Herthas Neuzugang aus Nürnberg erspart. Löwen zeigte, warum man 7 Mio. für einen Spieler ausgab, der gerade mal 22 Bundesligaspiele gemacht hat. Seine Ballbehandlung und sein Zug zum Tor lassen hoffen, dass Herthas chronische Schwäche, aus dem zentralen Mittelfeld heraus Torgefahr zu kreieren, der Vergangenheit angehört. Ein Platz in der Startelf scheint vorerst jedoch nicht drin zu sein, denn neben der Überraschung Darida ist Grujic bis auf weiteres gesetzt. Die Leihgabe aus Liverpool ist für Čović unangefochtener Stammspieler. Auch wenn Grujic in den Testspielen noch nicht den Eindruck machte, als sei er bei 100%, ist davon auszugehen, dass Čović auf ihn setzt – alleine schon für den Familiensegen im Hause Čović.

Hinter den genannten vier Spielern wartet der Routinier Per Skjelbred, der mit seinem absoluten Kampfgeist und der resoluten Defensivarbeit durchaus noch wichtig werden könnte, falls das dominante Čović-System mal ins Wanken geraten sollte. Mit Sidney Friede macht sich ein weiterer Spieler Hoffnungen auf Einsätze. Nach seiner gelungenen Leihe ins belgische Mouscron macht Friede einen fokussierten Eindruck, trainierte mit Torunarigha und Grujic auf der griechischen Insel Mykonos und schaffte dann auch den Cut vor dem zweiten Trainingslager in Stegersbach. Es wäre ihm zu wünschen, dass er seine Chance erhält, aber angesichts der enormen Konkurrenzsituation auf seiner Position, dürfte es sogar mit dem Kaderplatz schwer werden. Selbiges gilt für Julian Albrecht. Der erst 17-jährige wechselte 2016 aus der Jugendabteilung von Hansa Rostock und überzeugte seitdem in Herthas U17 und U19. Auch bei den Profis machte er einen guten Eindruck, ehe er sich im Testspiel in Aue eine Sprunggelenksverletzung zuzog. Bitter für ihn, denn so bleibt vorerst nur Platz 7 in der internen Rangliste der zentralen Mittelfeldspieler.

Dass diese Konkurrenzsituation so groß ist, liegt sicher auch an Ondrej Duda. Auch wenn im System von Čović der klassische 10er, wie in Dárdais 4-2-3-1, so nicht vorkommt, dürfte es vorerst Dudas Aufgabe sein, den offensiven Part im 3er-Mittelfeld zu spielen. In der Vorbereitung wechselten sich, wie so häufig bei ihm, Licht und Schatten ab. Doch auch, wenn sich an ihm mitunter die Geister scheiden: An einem offensiven Mittelfeldspieler, der in 32 Spielen 17 Scorerpunkte für einen Verein wie Hertha erzielt, kommt kein Trainer vorbei.

Auf Rechtsaußen viel Masse.

Auf den offensiven Außenpositionen ist die Auswahl groß. 8 Spieler befinden sich im Kader, welche sich auf den Flügeln am wohlsten fühlen. Einer dieser Plätze scheint bereits fest vergeben zu sein. Dodi Lukebakio, Herthas neuer Rekordeinkauf, wird aller Voraussicht nach den rechten Flügel bespielen. Seine Fitnesswerte sollen gut sein und ein Einsatz bei den Bayern läge natürlich auf der Hand. Der belgische U21-Nationalspieler kann in der Offensive sowohl zentral, als auch auf beiden Flügeln spielen. Angesichts der Konkurrenzsituation, ist jedoch davon auszugehen, dass er vorerst als Rechtsaußen eingeplant ist. Die Konkurrenz auf dem rechten Flügel sollte Lukebakio vor keine größeren Probleme stellen. Alexander Esswein geht in sein viertes Jahr bei Hertha BSC und auch wenn es hart klingt: in den letzten drei Jahren brachte er es auf nicht viel mehr als eine handvoll überzeugende Spiele. Nachdem er in der Vorrunde der letzten Saison zu keinem einzigen Einsatz kam, wurde er in der Rückrunde an den VfB Stuttgart verliehen. Dort machte er zwar alle 17 Spiele, 15 davon in der Startelf, blieb aber ohne direkte Torbeteiligung und stieg mit den Schwaben ab. Auch wenn er sich in der Vorbereitung gewohnt reinhängt ist anzuzweifeln, dass er Herthas gehobenen Ansprüchen genügt. Ein Wechsel zu seinem Ex-Verein Dynamo Dresden steht im Raum und es wäre Esswein zu wünschen, bei einem anderen Verein regelmäßig zu Einsatzzeiten zu kommen. Ein weiteres Jahr, eher auf der Tribüne, als auf der Bank, hilft weder ihm, noch Hertha. Ebenfalls nicht positiv, wenn auch nicht ganz so chancenlos, stellt sich die Situation bei Mathew Leckie dar. Der australische Nationalspieler startete vor zwei Jahren bei Hertha grandios, erzielte in den ersten fünf Spielen vier Tore und es schien, als sei man die altbekannten Probleme auf den offensiven Flügeln endlich los. Doch Leckie konnte dieses Niveau leider nicht halten. Und immer, wenn er gerade zu seiner Form fand, warfen ihn schlauchende Nationalmannschaftsreisen und kleinere Blessuren wieder aus der Bahn und so brachte es Leckie in der vergangenen Saison nur noch auf 18 Einsätze (zehn in der Startelf). In der Vorbereitung wurde Leckie als Klünter-Ersatz getestet. Die Rolle als „Schienenspieler“ im 3-5-2 traut ihm Čović durchaus zu, doch selbst wenn für diese Position kein weiterer Spieler verpflichtet werden sollte, wird es für Leckie systemunabhängig nur zum Backup reichen.

Die Trainersohn-Thematik

Dahinter warten der aktuelle und der ehemalige Trainersohn auf eine Chance. Im Vergleich zur Vorsaison hat sich hier aber die Rangfolge geändert. Während Palko Dárdai in der Vorsaison zu sieben Bundesligaspielen kam, dabei aber kaum überzeugen konnte, ist nun Maurice Čović näher am Bundesligakader. Palko, für den Manager Michael Preetz eine Leihe in die zweite Liga als sinnvoll erachtet, wurde vor dem zweiten Trainingslager zur U23 geschickt und spielt dort vorerst Regionalliga. Maurice, für den eine Leihe zu einem Drittligateam vorgesehen war, ist hingegen nach wie vor bei den Profis unterwegs und kommt bei den Testspielen zum Einsatz. Dass eine Vater-Sohn Konstellation in einer Fußball-Mannschaft schwierig ist, kann jeder bestätigen, der sowas im Jugendfußball mal erlebt hat. Und auch, wenn Pál Dárdai und Ante Čović das sicher professioneller handhaben, als ein E-Jugend-Trainer, der seinen mäßig talentierten Sohn immer in den Sturm stellt, bleibt es ein Thema mit Konfliktpotential. Dass Pál seinen Sohn Palko vorzog, während Ante nun Palko wegschickt und Maurice vorzieht und von beiden Spielern noch wenig bundesligataugliches zu sehen war, entschärft die Thematik nicht zwingend.

Generationenkonflikt auf Linksaußen

Etwas übersichtlicher sieht es auf dem linken Flügel aus. Routinier Salomon Kalou ist immer noch wichtig, auch wenn davon auszugehen ist, dass der 34-jährige nicht an seine 30 Bundesliga-Einsätze der Vorsaison herankommen wird. Größter Herausforderer für den torgefährlichen Routinier ist Javairô Dilrosun. Der startete letzte Saison so grandios, dass er bereits nach zehn Bundesligaspielen sein Nationalmannschaftsdebüt für die Niederlande geben durfte. Nach 21 Minuten musste Dilrosun verletzt vom Feld und kam erst am 28. Spieltag für Hertha zum Einsatz. Wie groß sein Talent ist, war auch in den ersten Spielen der Vorbereitung wieder zu erkennen. Doch als er in den Spielen gegen Westham und Crystal Palace außen vor blieb, gab es Befürchtungen, dass Dilrosun wieder mit Verletzungen zu kämpfen hat. Mitterweile hat Hertha bekanntgegeben, dass der junge Niederländer aufgrund von muskulären Problemen im Oberschenkel vorerst individuell trainieren wird. Kriegt er seine Verletzungsprobleme in den Griff, führt kaum ein Weg an ihm vorbei. Eine Flügelzange bestehend aus Dilrosun und Lukebakio ist in der Bundesliga durchaus im oberen Drittel anzusiedeln.

Dahinter wartet der zur Zeit etwas angezählte Dennis Jastrzembski. Nach ein paar eindrucksvollen Kurzeinsätzen zu Beginn der letzten Saison, bei denen er sich nicht nur mit seiner Schnelligkeit erstaunlich schnell dem Bundesliga-Niveau anglich, schien es, als hätten wir den nächsten Spieler mit Bundesligaformat ausgebildet. Doch im späteren Verlauf der Saison kam der 19-jährige kaum noch zum Zuge und Trainer Pál Dárdai kritisierte relativ hart Jastrzembskis defensives Verhalten und stellte dabei mehr oder weniger seine gesamte Ausbildung in Frage. Ob es gefruchtet hat, scheint fraglich. Jastrzembski, über den Michael Preetz noch im Juni sagte, er habe „die Qualität uns jederzeit helfen zu können“, erschien wohl nicht gerade in Topform zum Trainingsbeginn unter Čović, konnte sich nicht aufdrängen und wurde folgerichtig zur U23 geschickt. Zu spät ist es für den erst 2000 geborenen deutschen U19-Nationalspieler sicher noch nicht, doch er wird sich enorm steigern müssen. Wir haben kürzlich bei Sinan Kurt gesehen, wohin der Weg sonst führen kann.

Kommt Selke an Ibisevic vorbei?

Im Sturmzentrum scheint, zumindest zu Saisonbeginn, kein Weg an Ibisevic vorbeizuführen. Der mittlerweile 35-jährige Stürmer hat in drei von vier Spielzeiten für Hertha zweistellig getroffen. Insgesamt bringt er es auf 47 Tore und 18 Assists in 132 Pflichtspielen für Hertha. Da er auch in den Testspielen wieder fleißig knippste und sein Spielstil mit den zahlreichen Fallrückziehern und Hackentricks mitunter an einen jahrelangen Fifa Spieler erinnert, der irgendwann die Flair-Taste für sich entdeckt hat, wird den restlichen Stürmern vorerst nur die Rolle des Herausforderers bleiben. Eine Rolle, mit der sich Davie Selke wiederum nicht zufrieden geben dürfte. Selke geht in sein drittes Jahr bei Hertha. Nach einer guten ersten Saison, in der er auf 10 Tore kam und Vedad Ibisevic den Rang ablief, warf ihn in der Vorbereitung zur zweiten Saison ein Pneumothorax zurück. Zwar fand Selke schneller als gedacht wieder auf den Platz, allerdings nicht so schnell zu seiner Form. Er pendelte zwischen Bank und Startelf und kam auf nur 3 Tore bei immerhin 9 Assists in 30 Spielen (16 in der Startelf). Für Selke gilt es nun dauerhaft sein zweifellos vorhandenes Potential abzurufen. Jogi Löw erwähnte ihn kürzlich als potentiellen Nationalmannschaftsstürmer und forderte 12-15 Tore von ihm. Etwas ketzerisch formuliert: Für Selke gilt es in der kommenden Saison darum, ob er jemand für die deutsche, oder für die tschechische Nationalmannschaft, die sich auch um ihn bemüht, ist.

Kein Vertrauen in die Jugend?

Hinter den beiden Konkurrenten hofft, wie im Vorjahr, Pascal Köpke auf mehr Spielzeit. Dem Stürmer, der laut Pál Dárdai im Training immer Vollgas gibt, ist wenig vorzuwerfen. Bei 68 Minuten verteilt auf sieben Bundesligaspiele hätte es jeder Stürmer schwierig, nachhaltig auf sich aufmerksam zu machen. Da Čović vermutlich noch seltener als Dárdai auf zwei klassische Mittelstürmer setzen wird, ist eine Leihe (Dynamo Dresden zeigt Interesse) eine denkbare Option.

Angesichts des Transfers von Daishawn Redan, der für gut 2,5 Mio € aus der Chelsea Jugend kam und in den Testspielen einen guten Eindruck hinterließ, ist es allerdings fraglich, ob Köpkes Perspektive nach einer Leihe besser aussieht.

Ähnlich sieht es bei Muhammed Kiprit aus. Der 20-jährige, der für Herthas U-19 am laufenden Band traf, schaffte es bei seiner Leihe zu Wacker Innsbruck nicht, sich durchzusetzen. Wer es in der österreichischen Liga nur auf fünf Einsätze (keiner über 90 Minuten) schafft, drängt sich natürlich nicht gerade für die Bundesliga auf.

Generell stellt sich aber beim Blick auf die zahlreichen Jugendspieler im Kader die Frage, inwiefern man bei Hertha BSC trotz der neuen finanziellen Möglichkeiten weiterhin gewillt ist, eigenen Jugendspielern die Möglichkeit und auch Zeit zu geben, den Sprung in die Bundesliga zu schaffen. Transfers, wie der vom jungen Redan, sind zwar nachvollziehbar, zeigen gleichzeitig aber auch, dass man wohl keinem „eigenen“ jungen Mittelstürmer den Sprung in die Bundesliga zutraut.

Und was kommt am Ende dabei raus?

Unter dem Strich bleiben dank sinnvoller Transfers ein insgesamt gut zusammengestellter Kader, der allerdings für zwei Wettbewerbe etwas überdimensioniert erscheint. Speziell auf den offensiven Außenpositionen könnte der eine oder andere Abgang noch Sinn ergeben, da sonst die Gefahr droht, dass es eine recht hohe Anzahl an unzufriedenen Spielern gibt. Angenommen alle Spieler sind fit, sähe meine Aufstellung aktuell so aus:

Wunschaufstellung Hertha BSC 2019/20

Dortmund Meister vor Leverkusen

Bleibt noch die Frage, wofür das in der Abschlusstabelle reicht. Klar scheint: die ersten vier sind unter normalen Umständen uneinholbar. Mein Tipp: Dortmund holt die Meisterschaft vor Leverkusen, Bayern wird nur dritter, Leipzig benötigt unter Nagelsmann etwas Zeit und wird vierter.

Dahinter sehe ich sieben Vereine, die potentiell um Platz 5 mitspielen können. Gladbach, Wolfsburg, Frankfurt, Bremen, Hoffenheim, Hertha und Schalke. Die schlechtesten Chancen räume ich hierbei Schalke und Hoffenheim ein. Beide stehen vor einem mehr oder weniger großen Umbruch. In Gelsenkirchen wird einem gerade bewusst, dass man über viele Jahre ein miserables Kadermanagement betrieb. Da kann auch David Wagner so schnell nichts dran ändern. Hoffenheim hat neben Nagelsmann noch zahlreiche weitere Abgänge zu verkraften, die bisher nicht ersetzt wurden.

In Bremen birgt der Abgang von Max Kruse gleichermaßen Chancen und Risiken. Das Spielsystem war extrem auf ihn ausgelegt. Es bleibt abzuwarten, ob man seinen Weggang vom Start weg kompensieren kann, speziell, da die Bremer auf dem Transfermarkt bisher nicht die gewünschten Erfolge erzielen konnten (Stichwort: Grujic). Hertha wird sich in meinen Augen vor diesen drei Teams einsortieren können.

Wolfsburg und Gladbach vor Hertha

Bleiben noch Gladbach, Wolfsburg und Bremen im Kampf um die Plätze 5-8. Frankfurt hat einen erneuten Umbruch zu verkraften. Die beiden Schlüsselspieler Jovic und Haller verließen die Eintracht, dafür konnte man zwar die bisherigen Leihspieler Hinteregger, Rode und Trapp halten, doch alleine an Ablöse musste man so knapp 25 Mio. investieren. Wie auch in den letzten Jahren bleibt die Eintracht eine Wundertüte, der viel zuzutrauen ist, bei der man aber auch abwarten muss, ob sie es schaffen ihren intensiven Stil über die ganze Saison durchzuziehen. Die Europa League Quali-Tour, mit sechs Spielen bis zur Gruppenphase, dürfte dabei nicht unbedingt hilfreich sein. Ich sehe die Frankfurter knapp hinter Hertha.

Keinen Weg vorbei sehe ich hingegen an Gladbach und Wolfsburg. Beide Mannschaften sind in meinen Augen etwas stärker zu bewerten und mit Rose und Glasner kommen zwei Trainer in die Bundesliga, denen ein exzellenter Ruf vorauseilt. Und auch, wenn man Testspiele nicht überbewerten sollte, sind ein 2:0 gegen PSV Eindhoven und ein 8:1 gegen OGC Nizza schon ein kleiner Fingerzeig der Wolfsburger. Ich sehe für Hertha nur Chancen, wenn der VfL, seit 4 Jahren zum ersten mal wieder international dabei, Probleme mit der Doppelbelastung bekommt. Unter normalen Umständen sehe ich die Wolfsburger auf Platz 5, Gladbach auf 6 und Hertha auf 7.

Bleiben sieben Vereine, für die es in erster Linie darum geht, den Abstieg zu verhindern. Gute Chancen haben die Mainzer, denen ich wie im Vorjahr Platz 12 zutraue. Dahinter sehe ich den FC Köln. Der Kader ist stark genug, um den Klassenerhalt zu schaffen und Trainer Achim Beierlorzer, einst Jugendtrainer bei RB, hat in Regensburg hervorragende Arbeit geleistet. Die Düsseldorfer Fortuna wird es schwer haben, das grandiose erste Jahr zu bestätigen. Einen kompletten Absturz sehe ich aber nicht, dafür empfinde ich speziell die Arbeit von Sportvorstand Lutz Pfannenstiel als zu positiv. Düsseldorf wird vor dem Sportclub aus Freiburg, der sich ebenfalls rettet, auf Platz 14 einlaufen.

Bleibt der Stadtrivale aus Köpenick, der von sich selber behauptet, er sei gekommen um zu bleiben. Zumindest auf dem Transfermarkt ist zu sehen, dass man dieses Ziel energisch verfolgt und so hat man mittlerweile einen sehr großen Kader beisammen. Gelingt es Urs Fischer, wie in der letzten Saison, die vielen neuen Spieler schnell zu einem Team zu formen, ist der Relegationsplatz drin. Als direkte Absteiger sehe ich den FC Augsburg auf Platz 17 und den SC Paderborn auf Platz 18. Fairerweise sei hinzugefügt, dass ich die Fuggerstädter seit gefühlt fünf Jahren als Absteiger tippe und immer daneben liege.

Macht unter dem Strich folgende Tabelle:

  1. Borussia Dortmund
  2. Bayer Leverkusen
  3. Bayern München
  4. RB Leipzig
  5. VfL Wolfsburg
  6. Borussia Mönchengladbach
  7. Hertha BSC
  8. Eintracht Frankfurt
  9. Werder Bremen
  10. Schalke 04
  11. Hoffenheim
  12. Mainz 05
  13. FC Köln
  14. Fortuna Düsseldorf
  15. SC Freiburg
  16. Union
  17. FC Augsburg
  18. SC Paderborn

Achja: Da Hertha natürlich den Pokal holt, spielt Gladbach Europa League Quali. Hertha zieht direkt in die Gruppenphase ein. Power von der Spree!

5 Kommentare

  1. Hallo Jack,

    da hast Du eine exzellente Gesamtübersicht zum Saisonstart geliefert. Die gehe ich zu 99% mit.

    Mein Eindruck zu Maurice Covic ist allerdings ein wenig anders: es mag auf den ersten Blick so aussehen, dass Ante dem Jungen nun die Chance geben möchte, die er in der letzten Saison vermeintlich nicht hatte. Aber das springt meines Erachtens wesentlich zu kurz.

    In den Spielen, die ich von Maurice gesehen habe, war er eine absolute Bereicherung des Offensivspiels bei Hertha. Er kann das Spiel hinter den Spitzen ebenso bereichern wie als halblinker Achter. Vor allem, wenn von Duda nichts mehr zu sehen war, kam mit der Einwechselung von Covic wieder echtes Leben ins Spiel. Dabei merkt man deutlich, dass er besonders gut mit Herthas Eigengewächsen harmoniert. Für mich ist er die Entdeckung der Vorbereitung (wobei ich mich freuen würde, wenn Darida sein Potential wieder so wie in seiner Premierensaison abrufen könnte).

    Auch Sidney Friede möchte ich noch etwas anders bewerten. So wie es aussieht, könnte der Trainerstab mit SF als Lusti-Ersatz betrachten, zB in der Dreierkette. Aber wichtiger wäre mir, wenn er möglichst bald auch auf der Maier-Position eine Chance erhielte. Ich glaube, er kann das.

    Beide, Maurice als auch Sidney, sollten nicht so verheizt werden wie Arne Maier, der am Ende der Saison am Stock ging, weil er durch Hintenrum-Lusti nicht zu ersetzen war. Hätten wir damals schon einen Löwen neben Grujic gehabt, dann hätte die Rückrunde auch anders aussehen können.

    • Hallo Stiller,

      vielen Dank für Dein Lob und vor allem für Dein Feedback. Speziell der Input zu Maurice ist sehr interessant und ich bin gespannt, ob er die Chance bekommt, Deine Eindrücke zu bestätigen. Bei Sidney Friede bin ich sogar größtenteils bei Dir. Möglich, dass er im Text etwas negativer weggekommen ist, als ich ihn eigentlich sehe. Bin dennoch etwas skeptisch, dass er sich unter normalen Bedingungen gegen Maier, Grujic, Löwen und Darida durchsetzen kann. Die Option mit der 3er-Kette ist natürlich interessant, aber auch da hat er starke Konkurrenz. Wir werden sehen.

  2. Einer der besten Artikel, die ich in den letzten Jahren über Hertha gelesen habe. Sachlich, fundiert, informativ. Vielen Dank dafür und weiter so!

    • Vielen Dank für das Lob. Ich werde natürlich auch in Zukunft weiter über Hertha (und auch mal über andere Fußballbezogene Themen) schreiben. Erstmal muss allerdings wieder was passieren, denn zum Status Quo habe ich so ziemlich alles geschrieben, was mir einfällt. Ganz uneigennützig empfehle ich, um die Wartezeit zu überbrücken, natürlich noch meine anderen Texte. Ob über die Umstände der Dárdai-Demission oder speziell den Themen Digitalisierung und Stadionbau bei Hertha habe ich einiges geschrieben, was nicht nur Tagesaktuell interessant sein dürfte.

  3. Danke für diese geballte Ladung !

    Bin in weiten Teilen bei dir.
    Die Trainersöhne sollten für kleines Geld verliehen werden (2.Liga). – keine Konflikte…
    Die Rechtsproblematik wird von dir wohl nicht so ernst gesehen wie von mir.
    Peka ist gesundheitlich eine Wundertüte.
    Klünter der z.Zt. der einzige RV.
    Leckie als RV ein schlechter Scherz.

    Sollte kein RV bzw. Schienenspieler kommen, wird Hertha bei Ausfall Klünters mit 3er-Kette spielen müssen !

    Wenn deine Prognose eintrifft wäre es für mich eine sehr gelungene Saison.

    Wenn die Spiele häufig 4:3 oder 3:4 ausgehen und Platz 12 herausspringt hätte ich auch meinen Spaß !

    PS:
    Habe mir zwischen den Teilen Zeit genommen um es sacken zu lassen, war aber sehr froh alles auf einer Seite zu lesen. So war es nicht zerhackstückt und kam als Gesamtwerk viel besser an.

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